Architektur

Hundertwasserhaus in Wien: Fassade, Geschichte und Tipps für den Besuch

Das Hundertwasserhaus in Wien ist ein bewohnter Gemeindebau mit schiefen Böden und Bäumen am Dach. So klappt der Besuch an der Kegelgasse.

Martin

Aktualisiert am 23. Okt. 2026  · 5 Min. Lesezeit
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Das Hundertwasserhaus in Wien an der Kegelgasse im 3. Bezirk

Foto: Thaler Tamas, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Das Hundertwasserhaus in Wien steht an der Ecke Kegelgasse und Löwengasse im 3. Bezirk und ist einer der meistfotografierten Bauten der Stadt. Dabei ist es kein Museum, sondern ein ganz normaler Gemeindebau: Rund 150 Menschen wohnen hinter der bunten Fassade, auf deren Dächern und Terrassen inzwischen ein kleiner Wald wächst.

Wir stellen vor, wie das Haus entstanden ist, was Fensterrecht und Baummieter bedeuten, warum es seit 2025 unter Denkmalschutz steht und wie sich ein Besuch mit dem Hundertwasser Village gegenüber und dem Kunst Haus Wien ein paar Gassen weiter verbinden lässt.

Unser Tipp

Den besten Blick hat man von der Fußgängerzone in der Kegelgasse mit Bänken und Brunnen. Für die zweite Fassade lohnt sich ein Schritt auf die gegenüberliegende Seite der Löwengasse.

Ein Gemeindebau als Gesamtkunstwerk

Kegelgasse 36-38, 1030 Wien

Bunte Fassade am Hundertwasserhaus in Wien
Kein Fenster gleicht dem anderen · Foto: Bingar1234, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Die Stadt Wien ließ das Haus von 1983 bis 1985 als städtische Wohnhausanlage errichten, der Grundstein wurde am 16. August 1983 gelegt. Bezogen wurde es im Frühjahr 1986. Die Idee stammt vom Maler Friedensreich Hundertwasser, der mit bürgerlichem Namen Friedrich Stowasser hieß und von schöner Architektur träumte, in der der Mensch frei ist.

Im Haus gibt es rund 50 Wohnungen, vier Geschäftslokale und eine Arztpraxis. Die Baukosten lagen bei umgerechnet etwa sechs Millionen Euro. Genau darin liegt der Reiz: Ein Wohnhaus für Wienerinnen und Wiener wurde zum Ziel für Stadtrundfahrten.

Bauzeit1983 bis 1985

Bewohnt seit1986

Fassade, Fensterrecht und Baummieter

Farbige Fassadenteile und Begrünung am Hundertwasserhaus
Farbfelder, Säulen und Bäume auf den Terrassen · Foto: Yair Haklai, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons
Detailansicht der Fassade des Hundertwasserhauses
Unregelmäßige Fenster und bunte Flächen · Foto: Maria Eklind, CC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons

Glatte Flächen und gleiche Fenster gibt es hier nicht. Die Fassade ist in Farbfelder geteilt, dazu kommen Säulen, Keramik und Zwiebeltürmchen. Drinnen sind die Böden der Gänge bewusst uneben, weil Hundertwasser die gerade Linie für menschenfeindlich hielt.

Zwei seiner Grundsätze sind hier umgesetzt. Das Fensterrecht erlaubt den Bewohnerinnen und Bewohnern, die Fassade rund um ihr Fenster nach eigenem Geschmack zu gestalten. Die Baummieter sind Bäume, die in Wohnungen und auf Terrassen wurzeln und aus den Fenstern wachsen. Die Ideen hatte Hundertwasser schon 1972 in der Fernsehsendung „Wünsch Dir was“ vorgestellt.

Etwa 250 Bäume und Sträucher wurden 1985 gepflanzt. Heute bilden sie auf den Dächern einen dichten Park.

Streit um die Urheberschaft und Denkmalschutz

Hundertwasserhaus in Wien mit begrünten Dachterrassen
Seit 2025 denkmalgeschützt · Foto: Jorge Franganillo, CC BY 2.0, Wikimedia Commons

Die ersten Pläne zeichnete der Architekt Josef Krawina. Weil er und Hundertwasser sich über die Fassade nicht einigen konnten, übernahm Peter Pelikan die Ausführungsplanung. Der Streit landete Jahrzehnte später vor Gericht: 2010 bestätigte der Oberste Gerichtshof, dass Krawina Miturheber des Hauses ist und neben Hundertwasser genannt werden muss.

Im Jahr 2025 stellte das Bundesdenkmalamt das Haus samt Vorplatzgestaltung unter Denkmalschutz. Begründet wurde das mit seiner Rolle als künstlerische Sonderform und als Dokument des sozialen Wohnbaus der Gemeinde Wien. Außerdem steht es für die Abkehr der Postmoderne vom Funktionalismus hin zu einem Bauen, das Mensch und Natur mehr Raum gibt. Nach dem Wiener Vorbild entstanden weltweit zahlreiche weitere Hundertwasser-Wohnbauten.

So läuft die Besichtigung

Weil im Haus Menschen wohnen, ist das Innere nicht zugänglich. Die Fassade kann man aber jederzeit kostenlos von der Straße aus ansehen, Karten oder Reservierungen braucht es nicht. Bitte nicht in Höfe und Stiegenhäuser gehen und vor Fenstern Rücksicht nehmen.

Im Erdgeschoß gibt es ein kleines Café mit Shop. Dort läuft kostenlos ein Film, in dem Hundertwasser selbst durch das Haus führt. So bekommt man einen Eindruck von den Innenräumen, ohne jemanden zu stören.

Am ruhigsten ist es am frühen Morgen, wenn noch keine Reisegruppen in der Kegelgasse stehen.

Besichtigungnur von außen, jederzeit

Eintrittfrei

Hundertwasser Village gegenüber

Hundertwasser Village gegenüber dem Hundertwasserhaus
Das Village in der Kegelgasse · Foto: Thomas Ledl, CC BY 4.0, Wikimedia Commons

Direkt gegenüber, in der Kegelgasse 37-39, liegt das Hundertwasser Village. Hundertwasser baute 1990 und 1991 eine ehemalige Reifenwerkstatt um. Es ist sein einziges Einkaufszentrum, mit einem kleinen Dorfplatz, einer Bar und Geschäften mit Andenken, Postkarten und Drucken.

Auch hier gibt es unebene Böden und bunte Fliesen. Bekannt sind auch die eigenwillig gestalteten Toiletten. Der Eintritt in die Passage ist frei.

Geöffnettäglich 9 bis 19 Uhr

Eintrittfrei

Kunst Haus Wien ein paar Gassen weiter

KartePreis
Regulär16 Euro
Ermäßigt (ab 65, Menschen mit Behinderung u. a.)13 Euro
Jugendliche 11 bis 18, Studierende unter 267 Euro
Kinder unter 11frei
Familienkarte27 Euro
Jahreskarte29 Euro
Öffentliche Führung5 Euro plus Eintritt
Eintrittspreise Kunst Haus Wien
Hauptfassade des Kunst Haus Wien in der Unteren Weißgerberstraße
Das Museum Hundertwasser · Foto: Jules Verne Times Two, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Wer die Bilder hinter den Bauten sehen will, geht rund 400 Meter weiter in die Untere Weißgerberstraße 13. Das Kunst Haus Wien hat Hundertwasser ebenfalls gestaltet, gerade Linien sucht man in der Fassade vergeblich. Auf rund 1.600 Quadratmetern zeigt das Museum eine Dauerausstellung zu Hundertwasser und wechselnde Schauen anderer Künstlerinnen und Künstler.

Shop und Café Friedlich im Haus kann man ohne Museumskarte besuchen. Das Café kocht überwiegend regional, saisonal, vegetarisch und vegan.

Geöffnettäglich 10 bis 18 Uhr, Kassa bis 17.30 Uhr

ÖffisStraßenbahn O, Radetzkyplatz

Anreise

Am bequemsten kommt man mit der Straßenbahn 1, zum Beispiel ab Schwedenplatz. Von der Station Hetzgasse sind es nur rund 100 Meter durch die Löwengasse bis zur Ecke Kegelgasse.

Von der U3 und der U4 bei Landstraße oder Rochusgasse geht man etwa zehn bis 15 Minuten. Mit dem Auto ist es schwierig, weil Parkplätze in der Gegend knapp sind. Mit dem Rad kommt man gut über den Donaukanal.

ÖffisStraßenbahn 1, Hetzgasse

U-BahnU3 und U4 Landstraße, rund 900 Meter

Gut zu wissen

  • Das Hundertwasserhaus in Wien ist ein bewohntes Haus: Innenräume, Höfe und Stiegenhäuser sind nicht öffentlich.
  • Hundertwasserhaus, Village und Kunst Haus Wien lassen sich in zwei bis drei Stunden gut zu Fuß verbinden.
  • Mit der Vienna City Card gibt es 30 Prozent Ermäßigung im Kunst Haus Wien.

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Hundertwasserhaus in Wien: häufige Fragen

Kann man das Hundertwasserhaus in Wien von innen besichtigen?

Nein. Das Haus ist ein bewohnter Gemeindebau, nur die Fassade ist von der Straße aus zu sehen. Einen Eindruck der Innenräume gibt ein Film, der im Café im Erdgeschoß kostenlos läuft.

Was kostet der Besuch beim Hundertwasserhaus in Wien?

Das Anschauen von außen ist gratis und jederzeit möglich. Auch das Hundertwasser Village gegenüber hat freien Eintritt. Für das Kunst Haus Wien zahlen Erwachsene 16 Euro.

Wie komme ich zum Hundertwasserhaus in Wien?

Mit der Straßenbahn 1 bis zur Station Hetzgasse, von dort sind es rund 100 Meter. Von den U-Bahn-Stationen Landstraße und Rochusgasse geht man etwa zehn bis 15 Minuten.

Wer hat das Hundertwasserhaus gebaut?

Die Gestaltung stammt von Friedensreich Hundertwasser. Josef Krawina zeichnete die ersten Pläne und ist laut Oberstem Gerichtshof Miturheber, Peter Pelikan führte die Planung zu Ende.

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Martin

Martin ist Herausgeber und Chefredakteur von WIENINSIDE und einer, der mit Wien nie fertig wird. Macht irgendwo ein neuer Hotspot auf, will er ihn sehen. Unterwegs bleibt er vor Fassaden stehen, an denen andere vorbeigehen, denn Architektur ist seine große Leidenschaft. Und am Ende des Tages zählt für ihn eines: gut essen. Bei WIENINSIDE schreibt er über Essen, Architektur, Sport, Freizeit und alles, was die Stadt gerade bewegt.

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