Der Brunnenmarkt zieht sich auf 948 Metern durch die Brunnengasse im 16. Bezirk und gilt als längster ständiger Straßenmarkt Europas. Rund 170 Stände verkaufen Obst, Gemüse, Gewürze, Fleisch, Fladenbrot und Haushaltswaren, oft zu Preisen, die man in der Innenstadt nicht mehr findet. Am nördlichen Ende öffnet sich die Gasse zum Yppenplatz, wo feste Marktpavillons stehen und sich in den letzten Jahrzehnten eine dichte Lokalszene gebildet hat.
Für diesen Überblick haben wir den Markt selbst und neun Adressen ausgesucht: Stände zum Einkaufen, Marktlokale für Frühstück und Mittag und ein paar Restaurants rund um den Platz, die abends offen haben.
Unser Tipp
Am Samstagvormittag kommen die Bauernstände am Yppenplatz dazu. Wer Gemüse vom Hof und den Markt in voller Länge erleben will, kommt am besten zwischen 8 und 12 Uhr.
1. Brunnenmarkt
Brunnengasse, 1160 Wien


Kaiser Joseph II. genehmigte den Markt 1786. Er entstand rund um einen Brunnen, der Wasser aus dem Wienerwald zur Hofburg leitete. Den Brunnen gibt es seit 1880 nicht mehr, er musste der Pferdestraßenbahn weichen. Der Name ist geblieben.
Mit der Zuwanderung aus der Türkei und dem damaligen Jugoslawien hat sich das Angebot ab den 1960er Jahren verändert. Heute liegen Gewürze neben Erdäpfeln, es gibt Halal-Fleischer, Bäckereien mit Fladenbrot, Oliven aus offenen Bottichen und Gözleme frisch vom Blech.
2009 wurde der Yppenmarkt mit dem Markt in der Brunnengasse zusammengelegt, 2010 bekam die Brunnengasse eine ebene Fußgängerzone. Samstags ergänzen Bauernstände am Yppenplatz das Angebot mit Gemüse, Käse und Brot aus der Region.
MarktständeMo bis Fr 6 bis 21 Uhr, Sa 6 bis 18 Uhr
BauernmarktFr und Sa 6 bis 13 Uhr
ÖffisU6 Josefstädter Straße, Straßenbahn 2 und 46
2. Staud's Pavillon
Brunnenmarkt 156, 1160 Wien
Die Geschichte von Staud’s beginnt 1883 mit Obst und Gemüse auf dem Markt in der Brunnengasse. 1971 übernahm Hans Staud das Großhandelsgeschäft seines Vaters, verlegte den Firmensitz nach Ottakring und begann, Marmeladen zu kochen und Gemüse einzulegen.
Im Pavillon an der Ecke Schellhammergasse gibt es heute über 220 süße und saure Sorten aus der Wiener Manufaktur, von der Marillenmarmelade bis zu Essiggurken aus dem Weinviertel. Viele Sorten kann man vor dem Kauf kosten. 2024 hat das Marktamt den Stand als Wiener Traditionsmarktstand ausgezeichnet.
Praktisch zu wissen: Der Pavillon macht eine lange Mittagspause und hat am Sonntag und Montag zu.
GeöffnetDi bis Fr 8.30 bis 12.30 und 15 bis 18 Uhr, Sa 8 bis 13 Uhr
Seit1883 am Markt
ÖffisU6 Josefstädter Straße
3. Kent
Brunnengasse 67, 1160 Wien
Hüseyin Tütüncü kam mit 14 Jahren nach Wien und arbeitete fast 20 Jahre bei Grundig, bevor er 1990 ein kleines Café in der Brunnengasse aufsperrte. Er nannte es Kent, das türkische Wort für Stadt.
Daraus ist eines der bekanntesten türkischen Restaurants der Stadt geworden. Bestellt werden vor allem Adana Kebap und Iskender, am Sonntag gibt es ein türkisches Frühstücksbuffet. Unter der Woche läuft mittags ein Menü. Hinter dem Lokal liegt ein großer, begrünter Innenhof.
Wie sehr das Kent zum Grätzl gehört, zeigt ein Detail: Ein Fleischteller für Iskender Kebap aus dem Lokal liegt heute in der Sammlung des Wien Museums.
Seit1990
MittagsmenüMo bis Fr 11 bis 14 Uhr
ÖffisU6 Josefstädter Straße, Straßenbahn 2 und 46
4. Kärntnerei Kasnudel
Yppenplatz, 1160 Wien
Cris Nessmann und Günther Ellersdorfer haben den Stand am Yppenplatz 2016 eröffnet. Die Kasnudeln werden vor Ort gemacht, klassisch nach Kärntner Rezept mit gekrendeltem Rand oder mit anderen Füllungen.
Dazu gibt es Speck und Würste, die vor allem von kleinen Bio-Bauern aus Kärntner Tälern kommen, Käse aus Tirol und hausgemachte Käsepogatschen. Zum Trinken stehen Weine aus Friaul und Kärntner Bio-Bier auf der Karte.
Der Stand liegt gegenüber dem Haus Yppenplatz 2. Man kann davor sitzen oder die Nudeln mitnehmen. Bezahlt wird bar oder mit Karte, im Sommer können die Öffnungszeiten abweichen.
GeöffnetDi bis Fr 10 bis 22 Uhr, Sa 8 bis 22 Uhr
Seit2016
ÖffisU6 Josefstädter Straße
5. Mani
Yppenplatz, Stand 153 bis 155, 1160 Wien
Das Mani sitzt in einem Marktstand am Yppenplatz und kocht Gerichte aus dem Nahen Osten in moderner Form: Shakshuka, Hummus in mehreren Varianten, gegrillte Melanzani und weitere Mezze. Viele Teller sind vegetarisch oder vegan, ein paar Fleischgerichte stehen auch auf der Karte.
Einen großen Teil der Zutaten holt die Küche von den Marktständen direkt nebenan. Samstags gibt es Frühstück, abends wird das Lokal zur Bar.
Drinnen ist Platz für rund 35 Gäste, draußen am Platz für etwa 40. Hunde sind willkommen. An Feiertagen bleibt das Lokal geschlossen, unter der Woche sperrt es erst am späten Nachmittag auf.
GeöffnetMo bis Fr 17 bis 23 Uhr, Sa 9 bis 23 Uhr
KücheNahost, viel vegetarisch
ÖffisU6 Josefstädter Straße
6. Wirr am Brunnenmarkt
Brunnenmarkt Stand 157, 1160 Wien
Im Juli 2016 haben die Betreiber des Wirr aus der Burggasse diesen Ableger am Markt aufgesperrt. Das Lokal liegt zwischen Staud’s und der Brunnenpassage.
Die Besonderheit ist das Dach: Über eine Außentreppe kommt man auf eine Terrasse für etwa 80 Personen, die ganzjährig offen ist. Sie ist die einzige Dachterrasse am Platz, entsprechend schnell sind die Tische vergeben. Unten gibt es zusätzlich einen Gastgarten.
Frühstück gibt es täglich von 8 bis 16 Uhr, ab Mittag kommen internationale Gerichte, Burger und Snacks dazu. Kuchen und Tartelettes, auch vegan und glutenfrei, liefert die Patisserie Adlerhof.
Frühstücktäglich 8 bis 16 Uhr
Seit2016
ÖffisU6 Josefstädter Straße
7. La Salvia
Yppenplatz, 1160 Wien
La Salvia ist Vinothek und Feinkostladen in einem und hat sich auf das Dreieck Friaul, Slowenien und Istrien spezialisiert. Der Stand liegt an der Ecke Weyprechtgasse und Schellhammergasse.
In den Regalen und Vitrinen liegen Prosciutto, Coppa, Trüffel, Käse, frische Pasta, gefüllte Gnocchi, Polenta und Olivenöl, dazu Kaffee aus Triest, Prosecco und Grappa. Bekannt ist das Geschäft für Weine aus dem istrischen Karst.
An den wenigen Tischen gibt es friulanische Antipasti, kleine Fischteller und Burrata. Draußen haben rund 25 Personen Platz, für den Abend empfiehlt sich eine Reservierung. Die Weine verschickt La Salvia auch über einen eigenen Onlineshop.
GeöffnetMi und Do 16 bis 22 Uhr, Fr 10 bis 22 Uhr, Sa 8 bis 13 Uhr
SpezialitätWeine aus dem Karst
ÖffisU6 Josefstädter Straße
8. Restaurant Wetter
Payergasse 13, 1160 Wien
Retus Wetter kocht am Yppenplatz italienisch, mit einer Vorliebe für die Küche Liguriens, die man nördlich der Alpen selten findet. Trofie al Pesto oder geschmortes Kaninchen sind typische Gerichte.
Die Karte wechselt jede Woche und richtet sich danach, was die Saison gerade hergibt. Zum Essen gibt es auch Naturweine. Der Raum ist im Industriestil gehalten, für Kinder gibt es eine Spielecke.
Bei Schönwetter sitzt man im Schanigarten am Platz, der Platz für etwa 40 Gäste bietet. Gekocht wird am Abend von Mittwoch bis Freitag und am Samstag zu Mittag. Bezahlt werden kann bar oder mit Karte.
GeöffnetMi bis Fr 17 bis 23 Uhr, Sa 10 bis 15 Uhr
Kücheitalienisch, wöchentlich neue Karte
ÖffisU6 Josefstädter Straße
9. Café C.I.
Payergasse 14, 1160 Wien
Hinter dem C.I. steht der Verein Club International, gegründet 1983 als Beratungsstelle für Zuwanderer in Wohnungsfragen. Das Café sollte ein Ort sein, den Ratsuchende ohne Hemmschwelle betreten. Später kamen Deutschkurse und Alphabetisierungskurse dazu.
Als der Yppenplatz verbaut werden sollte, wurde das C.I. zum Treffpunkt für den Widerstand von Anrainern, Geschäftsleuten und Standlern.
Heute gibt es internationale Küche mit vielen vegetarischen Gerichten und Frühstück den ganzen Tag. Im Haus treffen sich Selbsthilfegruppen, es gibt Sprachkurse, Lesungen und Ausstellungen. Die zwei Gastgärten am Platz haben zusammen 160 Plätze. Bezahlt wird nur bar.
GeöffnetMo bis Sa 8 bis 2 Uhr, So 9 bis 2 Uhr
Seit1983
ÖffisU6 Josefstädter Straße
10. Kafeneon
Payergasse 7, 1160 Wien
Gegründet haben das Kafeneon in der Payergasse zwei Frauen, eine Griechenland-Liebhaberin und eine griechische Köchin. Inzwischen führt ein neues Team das Lokal. Gekocht wird griechisch, aber abseits der üblichen Taverne. Auf der Karte stehen Gerichte wie Spetzofai, Kritamo oder Tsitsiravla, die man in Wien sonst kaum bekommt.
Eine Spezialität des Hauses ist Oktopus mit Fava, einem Püree aus gelben Spalterbsen. Auch Kleftiko, langsam geschmortes Lamm, gehört zu den bekannten Tellern.
Die Weinkarte setzt auf Naturweine aus Griechenland. Alle Gerichte und Weine gibt es auch zum Mitnehmen, im Gastgarten haben rund 30 Personen Platz.
GeöffnetDi bis Fr 17.30 bis 22 Uhr, Sa 16 bis 22 Uhr
Küchegriechisch
ÖffisU6 Josefstädter Straße
Gut zu wissen
- Am Markt haben die Verkaufsstände Montag bis Samstag offen, am Sonntag bleiben sie zu. Die Lokale am Yppenplatz haben eigene Öffnungszeiten.
- Die Brunnengasse ist seit 2010 eine ebene Fußgängerzone, der Markt ist damit auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl gut zu befahren.
- Die Brunnenpassage an der Ecke Brunnengasse und Yppenplatz ist ein Kulturraum mit über 400 Veranstaltungen im Jahr, von Theater und Tanz bis Musik und Film.
Alle Adressen auf der Karte
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Brunnenmarkt: häufige Fragen
Wann hat der Brunnenmarkt geöffnet?
Die Verkaufsstände dürfen Montag bis Freitag von 6 bis 21 Uhr und am Samstag von 6 bis 18 Uhr offen haben. Die meisten Standler sperren früher zu. Am Sonntag ist der Markt geschlossen.
Wann ist der Bauernmarkt am Yppenplatz?
Die Bauernstände kommen am Freitag und Samstag, jeweils von 6 bis 13 Uhr. Am meisten los ist am Samstagvormittag.
Wie komme ich zum Brunnenmarkt?
Am einfachsten mit der U6 bis Josefstädter Straße oder Thaliastraße. Die Straßenbahnlinien 2 und 46 halten ebenfalls in der Nähe.
Wie lang ist der Markt in der Brunnengasse?
Der Markt ist 948 Meter lang und hat rund 170 Stände. Damit gilt er als längster ständiger Straßenmarkt Europas.
Seit wann gibt es den Markt in Ottakring?
Kaiser Joseph II. hat den Markt 1786 genehmigt. Seinen Namen hat er von einem Brunnen, der 1880 der Pferdestraßenbahn weichen musste.