Wien und der Kaffee, das ist eine lange Geschichte, die man in den Cafés in Wien bis heute erleben kann. Das klassische Kaffeehaus mit Marmortisch, Zeitung und Melange gehört seit 2011 zum immateriellen Kulturerbe in Österreich. Daneben ist in den letzten Jahren eine neue Szene gewachsen: kleine Cafés mit Filterkaffee, Hafermilch und Bohnen aus der Rösterei, oft abseits der Innenstadt.
Für diese Liste der besten Cafés in Wien haben wir beides zusammengebracht: sechs Kaffeehäuser mit Geschichte und sechs Cafés für alle, die es beim Kaffee genau nehmen oder gern ausgiebig frühstücken. Manche kennt jeder, andere sind eher ein Tipp aus dem Grätzl.
Unser Tipp
Im Coffeewerk sind Laptops vorne auf 90 Minuten begrenzt. Wer länger arbeiten will, wechselt danach einfach in den hinteren Bereich.
1. Café Sperl
Gumpendorfer Straße 11, 1060 Wien

Das Café Sperl gibt es seit 1880, eingerichtet haben es zwei Schüler des Ringstraßen-Architekten Theophil Hansen. Seit 1980 steht es unter Denkmalschutz. Bei der Renovierung 1983 wurde die Atmosphäre des späten 19. Jahrhunderts bewahrt.
Früher saßen hier Franz Lehár, Alexander Girardi und Offiziere der nahen Kriegsschule. Ab 1895 traf sich im Sperl der „Siebener-Club“, eine Keimzelle der Secession.
Heute stehen drei Karambol-Billardtische im Lokal, dazu kommen eine große Zeitungsauswahl und ein Gastgarten. Die Spezialität des Hauses ist die Sperltorte. Sonntags gibt es am Nachmittag Klaviermusik, im Juli und August hat das Sperl am Sonntag allerdings geschlossen.
Seit1880
GeöffnetMo bis Sa 7 bis 22 Uhr, So 10 bis 20 Uhr
ÖffisU2 Museumsquartier
2. Café Prückel
Stubenring 24, 1010 Wien

Das Café Prückel hat am 25. Dezember 1903 aufgesperrt, gegründet von einem ehemaligen Radrennchampion. Seinen heutigen Namen trägt es seit 1905. Am bekanntesten ist das Interieur von Oswald Haerdtl aus dem Jahr 1955, das heute unter Denkmalschutz steht.
Christl Sedlar hat das Prückel 63 Jahre lang geführt. Seit Jänner 2024 kümmert sich eine neue Betreibergesellschaft um das Haus. Die Sitzbezüge wurden dabei nach den Originalmustern erneuert.
Auch Kleinkunst hat hier Tradition: 1931 gründete Stella Kadmon im Prückel die Bühne „Der liebe Augustin“, seit 1962 spielen im Keller die „Original Pradler Ritterspiele“. Auf der Karte stehen hausgemachte Mehlspeisen, Wiener Küche und ein Mittagsmenü.
Seit1903
Geöffnettäglich 8.30 bis 22 Uhr
ÖffisU3 Stubentor
3. Café Hawelka
Dorotheergasse 6, 1010 Wien

Leopold Hawelka übernahm das Lokal in der Dorotheergasse am 15. Mai 1939. Nach dem Krieg sperrte er im Dezember 1945 wieder auf und machte das kleine Café zum Treffpunkt der Wiener Kunst- und Literaturszene.
Hier saßen Heimito von Doderer, Friedrich Torberg, H. C. Artmann, Elias Canetti und Hundertwasser. Auch Andy Warhol wird unter den Gästen genannt. Georg Danzer hat dem Hawelka mit seinem Lied „Jö schau“ ein Denkmal gesetzt.
Berühmt wurde das Café auch durch Josefine Hawelka und ihre Buchteln nach eigenem Rezept, die Familie führt diese Tradition weiter. Inzwischen röstet das Hawelka eigenen Kaffee, Melange, Mokka und Jamaica Blue Mountain gibt es im Onlineshop.
Seit1939
GeöffnetMo bis Do 9 bis 24 Uhr, Fr und Sa bis 1 Uhr
ÖffisU1/U3 Stephansplatz
4. Café Bräunerhof
Stallburggasse 2, 1010 Wien

Der Bräunerhof entstand um 1920 als „Café Sans Souci“, damals ein Tanzcafé und Treffpunkt der Antiquitätenhändler. Seinen heutigen Namen hat er vom Gebäude, in dem er liegt. Thomas Bernhard war hier täglich zu Gast, ebenso kamen Oskar Werner und Helmut Qualtinger.
Seit Mitte Juni 2026 hat das Kaffeehaus nach einer längeren Pause wieder offen. Die Familien Plachutta und Friese vom Schwarzen Kameel haben rund 3,8 Millionen Euro investiert. Interieur und Fassade stehen unter Denkmalschutz, die Originalfarben wurden bei der Sanierung mit archäologischen Methoden ermittelt.
Ein schönes Detail: Türen, die im Keller gefunden wurden, sind wieder eingebaut. Die Bänke, auf denen schon Thomas Bernhard saß, sind neu bezogen, die hölzernen Armlehnen sind original. Frühstück gibt es unter der Woche bis 11.30 Uhr, am Wochenende bis 14 Uhr.
WiedereröffnetJuni 2026
Geöffnettäglich 8 bis 22.30 Uhr
ÖffisU3 Herrengasse
5. Café Eiles
Josefstädter Straße 2, 1080 Wien

Das Café Eiles besteht seit 1838 und gehört damit zu den traditionsreichsten Cafés in Wien. Seinen heutigen Namen trägt es seit 1901. Weil Rathaus und Parlament gleich ums Eck liegen, treffen sich hier traditionell Leute aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Seit 2016 führen Gert und Nana Kunze das Haus und haben es modernisiert.
Wann immer wir vorbeikommen, ist das Eiles gut besucht. Frühstücken kann man hier sehr gut, unter der Woche bis 12 Uhr, am Wochenende bis 14 Uhr. Dazu gibt es hausgemachte Mehlspeisen und Torten, viele vegane Optionen und ein wechselndes Mittagsmenü.
Wer länger bleibt, kann Schach spielen oder sich durch die österreichischen und internationalen Zeitungen lesen. Im Sommer sitzt man im kleinen Schanigarten oder im größeren Gastgarten.
Seit1838
GeöffnetMo bis Fr 7 bis 24 Uhr, Sa und So ab 8 Uhr
ÖffisU2 Rathaus
6. Café Landtmann
Universitätsring 4, 1010 Wien

Franz Landtmann eröffnete sein Café am 1. Oktober 1873, als die Ringstraße noch gar nicht fertig gebaut war. Die heutige Einrichtung stammt von Architekt Ernst Meller aus dem Jahr 1929 und steht unter Denkmalschutz. Seit 1976 führt die Familie Querfeld das Haus, inzwischen in dritter Generation.
Das Landtmann liegt gegenüber vom Rathaus und gleich neben dem Burgtheater. Wegen dieser Lage treffen sich hier traditionell Leute aus Politik und Kultur, das Café vermietet sogar Räume für Pressekonferenzen. Unter seinen Gästen nennt das Haus Sigmund Freud, Gustav Mahler, Thomas Mann, Romy Schneider und Bruno Kreisky.
Torten und Mehlspeisen kommen aus der eigenen Konditorei, für den Morgen gibt es eine eigene Frühstückskarte. Seit 1927 führt das Landtmann ein Gästebuch, das „Goldene Buch“. Im Keller spielt das Theater Die Tribüne.
Seit1873
GeöffnetMo bis Sa 7.30 bis 24 Uhr, So bis 22 Uhr
ÖffisU2 Rathaus
7. JOMA
Hoher Markt 10, 1010 Wien
Das JOMA am Hohen Markt gibt es seit 2012, es liegt direkt gegenüber dem Vermählungsbrunnen. Es selbst nennt sich moderne Brasserie mit Wiener Wurzeln, betrieben wird es von den Brüdern Hans und Thomas Figlmüller. Im September 2026 hat es nach einem Umbau durch Architekt Gregor Eichinger neu eröffnet.
Frühstücken kann man hier sehr gut, auch mit einer größeren Gruppe. Auf der Karte stehen Kombis wie das „Wiener Frühstück“, dazu Eggs Benedict und Shakshuka. Ganz billig ist das JOMA nicht, ein Besuch lohnt sich aber auf jeden Fall. Reservieren ist von Vorteil.
Später am Tag gibt es Klassiker wie Steak Frites, Wiener Schnitzel vom Kalb und Backhendl. Wer es eilig hat, trinkt einen Espresso im Stehen an der Bar. Im Sommer sitzt man im Schanigarten unter roten Sonnensegeln.
Seit2012
FrühstückMo bis Fr bis 11.30 Uhr, Sa und So bis 12.30 Uhr
ÖffisU1/U3 Stephansplatz
8. phil
Gumpendorfer Straße 10, 1060 Wien

Das phil in der Gumpendorfer Straße ist seit 2004 Café, Buchhandlung und Bar in einem. Der Name steht für Philosophie, Literatur und das Philosophieren über Bücher und das Leben. Mehr als 4.000 ausgewählte Bücher stehen in den Regalen. Man darf darin auch lesen, ohne sie zu kaufen.
Tagsüber gibt es Frühstück in Bio-Qualität von regionalen Lieferanten, dazu Espresso Freddo, hausgemachte Limonade und Matcha Latte. Abends wird das phil zur Bar mit Discokugel, Longdrinks und Espresso Martini.
Unter der Woche gibt es einen eigenen Laptoptisch, am Wochenende bittet das phil darum, den Laptop zuhause zu lassen. Reservieren geht nicht, man kommt einfach vorbei. Von April bis Oktober ist der Schanigarten offen.
Seit2004
GeöffnetDi bis Do 9 bis 22 Uhr, Fr und Sa bis 23 Uhr
ÖffisU2 Museumsquartier
9. Balthasar
Praterstraße 38, 1020 Wien
Hinter dem Balthasar steht der Tiroler Gastronom Otto Bayer, der davor 27 Jahre lang ein Hotel-Restaurant bei Kufstein geführt hat. Seit etwa 2014 gibt es seine Kaffeebar auf der Praterstraße.
Die Bohnen kommen von Wildkaffee aus Garmisch-Partenkirchen, im Direkthandel bezogen. Der Espresso läuft aus einer La Marzocco, dazu gibt es Filterkaffee und Cold Brew, Tee, Bio-Limonaden und ausgewählte Weine. Zum Essen stehen Süßspeisen und Sandwiches auf der Karte, außerdem Frühstück.
Gleich nebenan liegt das Balthasar Lab mit Barista-Workshops in kleinen Gruppen von vier bis sechs Leuten. Reservieren kann man im Café nicht, im Gastgarten gibt es 18 Plätze. An Sonn- und Feiertagen ist geschlossen.
GeöffnetMo bis Fr 7.30 bis 19 Uhr, Sa 9 bis 17 Uhr
BohnenWildkaffee, Direkthandel
ÖffisU1 Nestroyplatz
10. COFFEEWERK
Mariahilfer Straße 149, 1150 Wien
Das Coffeewerk auf der äußeren Mariahilfer Straße ist noch relativ neu, aufgesperrt hat es etwa im Frühjahr 2025. Eingerichtet ist es sehr edel. Bestellt wird an der Theke, es gibt also Selbstbedienung.
Den Kaffee röstet das Coffeewerk selbst, die Bohnen kann man auch für zuhause kaufen. Auf der Karte stehen Espresso, V60 und Batch Brew, dazu Matcha und hausgemachte Limonaden. Richtig gut sind die Desserts, von hausgemachten Kuchen über Brownies bis zum Bananenbrot.
Zum Arbeiten eignet sich das Coffeewerk gut. Vorne sind Laptops auf 90 Minuten begrenzt, danach wechselt man einfach in den hinteren Bereich und kann dort länger bleiben. Frühstück gibt es von 9 bis 13 Uhr, etwa Avocado-Toast oder Granola.
GeöffnetMo bis Fr 7.30 bis 18 Uhr, Sa und So 8.30 bis 19 Uhr
Laptopvorne 90 Minuten, hinten länger
ÖffisU3/U6 Westbahnhof
11. CoffeePirates
Spitalgasse 17, 1090 Wien
Evelyn Priesch und Werner Savernik haben CoffeePirates 2012 gegründet. Der Kaffee kommt aus der eigenen, bio-zertifizierten Rösterei in Wien. Das Café liegt an der Ecke Rummelhardtgasse, nicht weit vom Alten AKH.
Im Angebot sind Single Origins und Blends für Filter und Espresso, die Bohnen gibt es auch zum Mitnehmen. Die Mehlspeisen kommen aus der eigenen Bäckerei auf Nummer 15, auch vegan und glutenfrei. Wer Hunger hat, bekommt getoastete Paninis.
Bei Schönwetter sitzt man auf der Terrasse, die Platz für 60 Leute hat. Hunde sind willkommen.
Seit2012
GeöffnetMo bis Fr 8 bis 18 Uhr, Sa und So 9 bis 17 Uhr
ÖffisStraßenbahn 5, 33 (Spitalgasse)
12. iano coffee
Neulerchenfelder Straße 86, 1160 Wien
Das iano coffee ist ein kleines Café auf der Neulerchenfelder Straße in Ottakring. Der Inhaber ist sehr nett und nimmt sich Zeit für seine Gäste.
Unser Cappuccino war perfekt. Den gibt es auch to go, falls man nur kurz vorbeischaut. Die Bohnen stammen von südamerikanischen Farmen, sind fair gehandelt und werden in Zell am See geröstet.
Neben Kaffee gibt es Matcha und Brunch, am Abend auch andere Getränke. Geöffnet ist täglich von 8 bis 19.30 Uhr, reservieren kann man über die Website.
Geöffnettäglich 8 bis 19.30 Uhr
Bohnenfair gehandelt, geröstet in Zell am See
LageOttakring
Gut zu wissen
- Nicht alle Cafés in Wien haben immer offen: Das Café Sperl hat im Juli und August sonntags geschlossen, das Balthasar an allen Sonn- und Feiertagen.
- Im JOMA ist Reservieren von Vorteil, im phil und im Balthasar kann man nicht reservieren.
- Frühstück gibt es in vielen Cafés in Wien, unter anderem im JOMA, im Eiles, im Bräunerhof, im Landtmann, im phil, im Balthasar und im Coffeewerk.
- Eigenen Kaffee rösten CoffeePirates, das Coffeewerk und das Hawelka. Die Bohnen kann man jeweils auch kaufen.
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Cafés in Wien: häufige Fragen
Welche Cafés in Wien haben Billardtische?
Im Café Sperl in der Gumpendorfer Straße stehen drei Karambol-Billardtische.
In welchen Cafés in Wien kann man mit Laptop arbeiten?
Im Coffeewerk auf der Mariahilfer Straße sind Laptops vorne auf 90 Minuten begrenzt, im hinteren Bereich kann man länger bleiben. Im phil gibt es unter der Woche einen eigenen Laptoptisch, am Wochenende bitte ohne Laptop.
Welche Cafés in Wien rösten ihren Kaffee selbst?
Zum Beispiel CoffeePirates mit einer bio-zertifizierten Rösterei, das Coffeewerk und das Café Hawelka.
In welchen Cafés in Wien kann man gut frühstücken?
Zum Beispiel im JOMA am Hohen Markt, auch mit größeren Gruppen, im Café Eiles in der Josefstadt und im phil, wo es Frühstück in Bio-Qualität gibt.