Heurige in Wien erkennt man an zwei Dingen: am Föhrenbuschen über dem Tor und an der Tafel mit dem Wort „Ausg’steckt“. Hängt beides draußen, ist offen. Ausgeschenkt wird beim echten Heurigen nur Wein aus eigenem Anbau. Seit einigen Jahren steht die Wiener Heurigenkultur auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.
Im Herbst ist Sturmzeit. Ab Ende September kommt der gärende Traubenmost in die Gläser, meist bis Mitte Oktober. Bis Martini am 11. November darf der junge Wein dann offiziell „Heuriger“ heißen. Wir haben zehn Heurige in Wien ausgesucht, sieben im 19. Bezirk zwischen Heiligenstadt, Grinzing, Nussdorf und Neustift am Walde, zwei in Stammersdorf und Jedlersdorf und eine in Mauer.
Unser Tipp
Viele kleinere Betriebe sperren nur zu festen Aussteckzeiten auf. Vor dem Weg hinaus lohnt der Blick auf die Website des Heurigen oder in den Ausg’steckt-Kalender, denn Termine ändern sich kurzfristig.
1. Mayer am Pfarrplatz
Pfarrplatz 2, 1190 Wien

Das Haus am Pfarrplatz kennt fast jeder, der schon einmal in Heiligenstadt unterwegs war. 1817 wohnte Ludwig van Beethoven hier, deshalb heißt der Heurige bis heute auch Beethovenhaus. Das Weingut Mayer keltert in Döbling seit 1683 Wein.
Gegessen wird in gemütlichen Stuben oder im efeubewachsenen Hof, der im Sommer und frühen Herbst unter Sonnenschirmen voll mit grünen Tischen steht. Die Küche bleibt bei der Wiener Heurigentradition.
Zum Betrieb gehören mehrere Häuser: der Pfarrwirt nebenan, laut Familie das älteste Wirtshaus Wiens. Dazu kommt die Buschenschank Mayer am Nussberg. Die sperrt allerdings nur von April bis Oktober auf. Wer also im Herbst noch in die Weingärten hinauf will, sollte sich mit dem Besuch beeilen.
Weingut seit1683
Geöffnettäglich 12 bis 24 Uhr
BesonderheitBeethoven wohnte 1817 im Haus
2. Hengl-Haselbrunner
Iglaseegasse 10, 1190 Wien


In der Iglaseegasse gab es einmal etliche Heurige. Geblieben ist die Buschenschank der Familie Hengl. Sie ist eine Adresse für Leute, die den klassischen Wiener Heurigen suchen. Der Falter lobt den alten Saal ohne jeden Kitsch und den Garten unter Nussbäumen.
Im Glas landen Weine aus Grinzinger Rieden, am Buffet gibt es die bekannten Heurigenspeisen. Musik hat hier ein eigenes Gewicht: Mindestens einmal pro Woche wird Wienerlied gespielt, im Sommer gibt es Workshops für Wienerlied und Volksmusik.
Das Haus betreibt auch eine kleine Galerie und gibt eine eigene Hauszeitung heraus, „die Traubenpresse“. Der Betrieb trägt das Österreichische Umweltzeichen.
GeöffnetDi bis Sa ab 15.30 Uhr
Musikregelmäßig Wienerlied, Termine auf der Website
Telefon01 320 33 30
3. Weinbau Zawodsky
Reinischgasse 3, 1190 Wien
Der Zawodsky gilt in Wien als der erste Szene- und Alternativheurige der Stadt. Sein großes Kapital ist der Garten: Rund 250 Leute finden Platz unter alten Obstbäumen, die Bänke stehen zwischen den Apfelbäumen, dahinter liegen Weingärten und die Stadt.
Ausgeschenkt werden nur Weine aus eigener Produktion, auch die Flaschenweine gibt es glasweise. Am Buffet stehen warme und kalte Heurigenspeisen.
Für den Herbst wichtig: Ab 2. Oktober sperrt der Zawodsky am Freitag ab 17 Uhr auf, am Wochenende und an Feiertagen ab 15 Uhr. Im November gibt es auf Bestellung Bio-Gansl. Von Ende November bis März ist dann nur noch am Sonntag ab 15 Uhr offen. Weil sich Zeiten kurzfristig ändern können, verweist das Haus selbst auf seinen aktuellen Google-Eintrag.
Geöffnetab 2. Oktober Fr ab 17 Uhr, Sa, So und Feiertag ab 15 Uhr
Gartenrund 250 Plätze
NovemberBio-Gansl auf Bestellung
4. Kierlinger
Kahlenberger Straße 20, 1190 Wien
Die Familie Kierlinger lebt seit mindestens 1786 in Nussdorf, inzwischen in etwa siebenter Generation. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg hielt sie auch Kühe und Hühner, dann blieb nur noch der Wein. Heute bewirtschaftet die Familie rund sechs Hektar am Nussberg, die Hauptsorten sind Riesling und Weißburgunder.
Hinter dem niedrigen Tor liegt ein Hof mit alten Linden und Kastanien. Drinnen gibt es zwei Heurigenstuben im alten Hauerhaus, am Buffet kalte und warme Speisen. Der Falter beschreibt den Kierlinger als Urbild des Wiener Heurigen, ganz ohne Touristenrummel.
Der Betrieb arbeitet mit festen Aussteckzeiten. Im Herbst 2026 ist bis 18. Oktober ausg’steckt, dann wieder vom 31. Oktober bis 6. Dezember, jeweils täglich ab 15.30 Uhr.
Ausg'stecktbis 18. Oktober und 31. Oktober bis 6. Dezember 2026, täglich ab 15.30 Uhr
Weingärtenrund 6 Hektar am Nussberg
ÖffisStraßenbahn D (Nußdorf)
5. Heuriger Sirbu
Kahlenberger Straße 210, 1190 Wien
Der Sirbu liegt oben am Nussberg, mitten in den Weingärten. Von den Tischen schaut man auf Kahlenberg, Leopoldsberg und über die Stadt. Das Haus ist alt: Schon 1688 wechselte es den Besitzer. Der Großvater der heutigen Betreiber kaufte das Anwesen 1954 und gründete den Heurigen.
Alle Weine stammen vom Nussberg, darunter Grüner Veltliner, Riesling, Sauvignon Blanc, Rosé und Zweigelt. Im Garten steht ein originaler Waggon des Wiener Riesenrads mit 16 Plätzen, für Kinder gibt es einen Spielplatz.
Der Sirbu ist ein Saisonbetrieb von April bis Oktober. Wer heuer noch hinauf will, hat also nur mehr wenige Wochen. Bei Schlechtwetter empfiehlt das Haus, vorher anzurufen.
SaisonApril bis Oktober
GeöffnetDi bis Do 16 bis 22 Uhr, Fr 16 bis 23 Uhr, Sa 15 bis 23 Uhr
ÖffisBus 38A
6. Fuhrgassl-Huber
Neustift am Walde 68, 1190 Wien
Neustift am Walde ist das Heurigendorf am Rand des Wienerwalds. Der Fuhrgassl-Huber ist einer seiner bekanntesten Betriebe. Das Weingut wurde 1973 gegründet, heute führen Thomas Huber und seine Familie Weingut und Buschenschank.
Zum Betrieb gehört der Mitterberg. Mit rund 14 Hektar ist er laut Weingut die größte zusammenhängende Weingartenfläche Wiens. Ein Schwerpunkt im Keller ist der Wiener Gemischte Satz, bei dem mehrere Rebsorten im selben Weingarten wachsen und gemeinsam gelesen werden.
Gesessen wird in gemütlichen Stuben oder im Innenhof. Im August richtet Neustift den Neustifter Kirtag aus, im Herbst geht es ruhiger zu. Parkplätze gibt es direkt am Haus.
GeöffnetDi bis Do 14 bis 23 Uhr, Fr 14 bis 24 Uhr, Sa und So 12 bis 22 Uhr, Mo Ruhetag
Seit1973
ÖffisU4 oder U6 Spittelau, dann Bus 35A
7. Der Wiener Heurige Wolff
Rathstraße 46, 1190 Wien
Wenige Schritte weiter in Neustift steht der Wolff. Er kann auf eine lange Geschichte verweisen: Gäste bewirtet der Betrieb seit 1609. Der Wolff zählt zu den Wiener Top-Heurigen mit geprüfter Qualität.
Auf den Tisch kommen Weine aus eigenem Anbau, dazu Wiener Hausmannskost und hausgemachte Mehlspeisen. Im Sommer sitzt man im sonnigen Garten, in der kühleren Zeit in rustikal eingerichteten Stuben. Einen Kinderspielplatz gibt es auch.
Praktisch für spontane Abende: Der Wolff hat täglich offen, von Mittag bis Mitternacht. Der Haupteingang ist stufenlos, es gibt ein barrierefrei erreichbares WC. Regelmäßig spielt hier auch Livemusik.
Seit1609
Geöffnettäglich 11.30 bis 24 Uhr
ÖffisBus 35A (Neustift am Walde)
8. Heuriger Wieninger
Stammersdorfer Straße 78, 1210 Wien

Am anderen Ufer der Donau liegt Stammersdorf, das größte Weinbaugebiet im Norden der Stadt. Hier führt Leo Wieninger den Heurigen der Familie. Ausgeschenkt werden die vielfach prämierten Weine seines Bruders Fritz Wieninger, dessen Weingut biodynamisch arbeitet.
Im Falstaff Heurigenguide steht der Heurige mit 95 Punkten und vier Trauben. Auf der Karte stehen Klassiker wie Schweinsbraten, Presswurst mit Kürbiskernöl und Schnitzel, dazu Wochenspezialitäten und ein saisonales Buffet.
Das Haus liegt direkt an der Stammersdorfer Straße, das Lokal hat einen Garten. Tische lassen sich online reservieren. Die Familie betreibt außerdem eine Buschenschank am Nussberg im 19. Bezirk.
GeöffnetSa 12 bis 24 Uhr, So und Feiertag 12 bis 22 Uhr, weitere Tage laut Website
Reservierenonline oder unter 01 292 41 06
ÖffisStraßenbahn 31 (Stammersdorf)
9. Weingut Christ
Amtsstraße 10, 1210 Wien
Die Familie Christ baut seit über 400 Jahren Wein an. Seit 2004 führt Rainer Christ das Weingut, gemeinsam mit seinem Vater Franz. Die Weingärten liegen an den Hängen des Bisambergs, wo sehr unterschiedliche Böden für viele Rebsorten sorgen.
Der Heurige in Jedlersdorf setzt auf eine moderne Einrichtung aus Naturstein und Holz statt auf dunkle Stuben. Der Betrieb ist biologisch zertifiziert und arbeitet mit Weißweinen, Rotweinen und Spezialitäten.
Wichtig für die Planung: Beim Christ ist in den ungeraden Monaten ausg’steckt, also im Jänner, März, Mai, Juli, September und November. Der Oktober ist damit Pause, ab November geht es wieder los.
Ausg'stecktJänner, März, Mai, Juli, September und November
GeöffnetMo bis Fr 15 bis 23 Uhr, Sa, So und Feiertag 12 bis 23 Uhr
Telefon01 292 51 52
10. Bioweingut und Heuriger Zahel
Maurer Hauptplatz 9, 1230 Wien
Im Süden der Stadt hat Mauer eine eigene Heurigentradition. Der Zahel am Hauptplatz zählt zu den ältesten Heurigen Wiens. Ausgeschenkt wird in einem rund 250 Jahre alten Bauernhaus mit historischen und modernen Räumen.
Das Weingut wird in vierter Generation geführt. Richard Zahel fuhr laut Falter früher Autorennen in der Formel Ford, bevor er Ende der Achtzigerjahre in den Weinbau zurückkehrte. Heute arbeitet der Betrieb biodynamisch nach Demeter-Richtlinien.
Im Glas gibt es die ganze Bio-Palette des Hauses, vom Gemischten Satz bis zu Rotweinen. Dazu kommen Heurigenspeisen und saisonale Gerichte. Offen ist zu den Aussteckzeiten von Montag bis Samstag, die genauen Tage stehen auf der Website.
Geöffnetzu den Aussteckzeiten Mo bis Sa 16 bis 23 Uhr, Termine laut Ausg'steckt-Kalender
ÖffisStraßenbahn 60 (Maurer Hauptplatz)
Telefon01 889 13 18
Gut zu wissen
- Viele Heurige in Wien sperren nur zu bestimmten Aussteckzeiten auf. Wann wer offen hat, zeigen die Websites der Betriebe und der Ausg’steckt-Kalender, oft ändern sich Termine kurzfristig.
- Eine Buschenschank darf laut Buschenschankgesetz nur kalte Speisen und eigenen Wein anbieten. Für warmes Buffet, Bier oder Kaffee braucht es zusätzliche Genehmigungen.
- Sturm gibt es meist von Ende September bis Mitte Oktober. Bis Martini am 11. November heißt der junge Wein noch „Heuriger“.
- Saisonbetriebe wie der Sirbu oder die Buschenschank Mayer am Nussberg schließen Ende Oktober. Ganzjährig offen haben Heurige in Wien wie der Wolff und Mayer am Pfarrplatz.
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Heurige in Wien: häufige Fragen
Welche Heurige in Wien haben im Herbst offen?
Ganzjährig täglich offen haben etwa der Wolff in Neustift am Walde und Mayer am Pfarrplatz in Heiligenstadt. Kleinere Betriebe wie Kierlinger oder Zahel arbeiten mit Aussteckzeiten, die man auf deren Websites oder im Ausg’steckt-Kalender findet.
Wann ist Sturmzeit in Wien?
Sturm, also gärender Traubenmost, gibt es meist ab Ende September bis etwa Mitte Oktober. Bis Martini am 11. November darf der junge Wein dann als „Heuriger“ ausgeschenkt werden.
Woran erkennt man einen echten Heurigen?
Am Föhrenbuschen über dem Eingang und an der Tafel mit dem Wort „Ausg’steckt“. Beim echten Heurigen wird nur Wein aus eigenem Anbau ausgeschenkt.
Wo liegen die meisten Heurige in Wien?
Die meisten Heurige in Wien liegen im 19. Bezirk, in Grinzing, Heiligenstadt, Nussdorf, Sievering und Neustift am Walde. Weitere Weinorte sind Stammersdorf, Strebersdorf und Jedlersdorf im 21. Bezirk sowie Mauer im 23. Bezirk.
Muss man beim Heurigen reservieren?
Bei kleineren Heurigen in Wien meist nicht, für größere Gruppen oder an Wochenenden im Herbst ist ein Anruf aber sinnvoll. Wieninger und Zahel bieten Online-Reservierungen an.