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9 Handwerksbetriebe in Wien, in denen noch von Hand gearbeitet wird

Porzellan, Maßschuhe, Silberbesteck und Schneekugeln: neun Handwerksbetriebe in Wien, die seit Generationen von Hand fertigen und bis heute aufsperren.

Martin

Aktualisiert am 13. Okt. 2026  · 7 Min. Lesezeit
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Handwerksbetriebe in Wien: Hände bearbeiten Leder mit Werkzeug (Symbolbild)

Foto: Anna Tarazevich, Pexels

Wer durch die Innere Stadt oder durch Neubau geht, kommt an Werkstätten vorbei, die älter sind als die meisten Häuser rundherum. Viele Handwerksbetriebe in Wien gehören seit Generationen derselben Familie. Dort wird Porzellan von Hand bemalt, Silber gehämmert, ein Hut über Holzformen gezogen und ein Maßschuh in rund 60 Arbeitsstunden gefertigt.

Für diese Liste haben wir neun Handwerksbetriebe in Wien mit gut belegter Geschichte ausgesucht. Wir stellen sie in der Reihenfolge ihrer Gründung vor: von der Porzellanmanufaktur aus dem Jahr 1718 bis zur Taschnerei aus den 1930er-Jahren. Bei allen kann man einkaufen, bei einigen auch zuschauen.

Handwerksbetriebe in Wien: Hände bearbeiten Leder mit Werkzeug (Symbolbild)
Symbolbild · Foto: Anna Tarazevich, Pexels

Unser Tipp

Lobmeyr, Scheer, Kniže und Mühlbauer liegen im 1. Bezirk nur wenige Gehminuten auseinander. Jarosinski & Vaugoin, Auböck und Taschner Alexander lassen sich gut zu einem Spaziergang durch den 7. Bezirk verbinden.

1. Porzellanmanufaktur Augarten

Obere Augartenstraße 1, 1020 Wien

Die Wiener Porzellanmanufaktur wurde 1718 gegründet und ist damit die zweitälteste in Europa. Claudius Innocentius du Paquier hatte das streng gehütete Rezept zuvor aus Meißen nach Wien gebracht. Die kaiserliche Manufaktur wurde 1864 geschlossen, seit 1923 wird im Schloss Augarten wieder Porzellan hergestellt.

Geformt und bemalt wird bis heute von Hand, deshalb ist jedes Stück ein Einzelstück. Besonders gefragt sind Dekore aus dem Biedermeier und die „Wiener Rose“, die Mitarbeiter der Manufaktur entworfen haben und die 1924 erstmals gezeigt wurde.

Im Schloss gibt es ein Geschäft und ein Porzellanmuseum mit Stücken aus über 300 Jahren. Bei einer Führung geht es durch die Werkstätten, eine Anmeldung ist nötig.

Seit1718

GeöffnetMo bis Sa 10 bis 17 Uhr

FührungenMo, Di und Do nach Anmeldung

ÖffisU2 Taborstraße

2. Rudolf Scheer & Söhne

Bräunerstraße 4, 1010 Wien

Scheer gilt als älteste noch tätige Schuhmacherei Europas. Gegründet wurde der Betrieb 1816, seit 1866 sitzt er in der Bräunerstraße. 1878 bekam Rudolf Scheer den Titel eines k. u. k. Hofschuhmachers, auch Kaiser Franz Joseph trug Schuhe aus dieser Werkstatt.

Heute führt Markus Scheer das Haus in siebter Generation. Für ein Paar Maßschuhe rechnet man mit rund 60 Arbeitsstunden, von der ersten Anprobe bis zur Abholung vergehen etwa sechs Monate. Im Jahr entstehen nur einige hundert Paare.

Im Archiv lagern Leisten berühmter Kunden aus über 200 Jahren. Neben Schuhen fertigt Scheer Lederwaren und Gepäck, außerdem werden Schuhe gepflegt und repariert.

Seit1816

GeöffnetMo bis Fr 10 bis 17 Uhr, Sa 10 bis 16 Uhr

ÖffisU1/U3 Stephansplatz

3. J. & L. Lobmeyr

Kärntner Straße 26, 1010 Wien

Josef Lobmeyr eröffnete 1823 in der Weihburggasse ein Glasgeschäft. Unter seinem Sohn Ludwig wurde die Firma auf den Weltausstellungen bekannt, Ludwig Lobmeyr war 1864 auch an der Gründung des heutigen MAK beteiligt. Später entwarfen Adolf Loos und Josef Hoffmann für das Haus.

Lobmeyr steht für mundgeblasene, von Hand geschliffene Trinkgläser, gravierte Spiegel und Luster. Das Trinkservice Nr. 4 von 1856 wird bis heute erzeugt. Die Luster der Wiener Staatsoper stammen von Lobmeyr, ebenso die Sternluster der Metropolitan Opera in New York aus dem Jahr 1963.

Das Unternehmen ist in sechster Generation in Familienhand. Im zweiten Stock des Stammhauses zeigt seit 1987 ein kleines Glasmuseum Stücke aus der Firmengeschichte.

Seit1823

GeöffnetMo bis Sa 10 bis 18 Uhr

ÖffisU1/U3 Stephansplatz

4. Jarosinski & Vaugoin

Zieglergasse 24, 1070 Wien

Carl Vaugoin gründete die Silberschmiede 1847, später kam die Werkstatt Jarosinski dazu. Laut Familiengeschichte waren die Vaugoins mit Napoleon nach Wien gekommen und geblieben. Heute leitet Jean-Paul Vaugoin den Betrieb in sechster Generation, er gilt als letzte aktive Silbermanufaktur Österreichs.

1910 erhielt die Firma den Titel eines Hoflieferanten, ab 1920 arbeitete sie mit Josef Hoffmann und der Wiener Werkstätte. Für den Staatsbesuch von Königin Elizabeth II. 1969 fertigte die Werkstatt eine Nachbildung von Cellinis Saliera.

Besteck macht rund 70 Prozent der Arbeit aus. Dazu kommen Leuchter, Teller und Spezialteile wie Spargelzangen, die in der Zieglergasse gehämmert, graviert und poliert werden.

Seit1847

GeöffnetMo bis Fr 9 bis 18 Uhr

ÖffisU3 Zieglergasse

5. Kniže

Graben 13, 1010 Wien

Der tschechische Schneider Josef Kniže gründete das Haus 1858. Bekannt wurde er mit Sportbekleidung, Reitkleidung und Livreen. Das Geschäft am Graben hat Adolf Loos zwischen 1910 und 1913 gestaltet, es ist bis heute fast unverändert erhalten.

Hinter der schwarzen Fassade wird weiterhin auf Maß geschneidert. Ein Frack braucht rund hundert Stunden Handarbeit. Der Falter berichtete 2021 von bis zu 70 Fräcken in einem guten Jahr und Preisen ab 11.000 Euro.

Im selben Jahr hat die Österreichische UNESCO-Kommission die Frackschneiderei in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Wer nur schauen will, sieht den Loos-Salon schon durch die Auslage.

Seit1858

ArchitekturAdolf Loos, 1910 bis 1913

ÖffisU1/U3 Stephansplatz

6. Original Wiener Schneekugelmanufaktur Perzy

Schumanngasse 87, 1170 Wien

Um 1900 suchte der Chirurgie-Instrumentenmacher Erwin Perzy nach einer stärkeren Lichtquelle. Er setzte eine Schusterkugel vor eine Kohlefadenlampe und gab Grieß ins Wasser, damit es das Licht spiegelt. Der Grieß sank langsam zu Boden wie Schnee. Mit einem Modell der Basilika von Mariazell darin war die erste Schneekugel fertig.

Erwin Perzy II brachte die Kugeln nach dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika, Kanada und Australien, Erwin Perzy III nach Japan. Inzwischen führt die vierte Generation die Manufaktur in Hernals.

Jede Kugel wird von Hand befüllt, die Zusammensetzung des Schnees bleibt Firmengeheimnis. Im kleinen Museum neben der Werkstatt sind Kugeln aus über hundert Jahren zu sehen.

Seitum 1900

GeöffnetMo bis Do 9 bis 15 Uhr, im Advent länger

7. Mühlbauer Hutmanufaktur

Seilergasse 10, 1010 Wien

Julianna Mühlbauer eröffnete 1903 in Floridsdorf eine Hutwerkstatt mit kleinem Geschäft. Heute leitet ihr Urenkel Klaus Mühlbauer das Unternehmen in vierter Generation und entwirft die Kollektionen gemeinsam mit Designerinnen.

Gefertigt wird in einer Werkstatt am Franz-Josefs-Kai 15 über dem Schwedenplatz. Rund 22.000 Hüte entstehen dort im Jahr. Strohhüte werden ohne Hutpresse über Holzformen gezogen, was weltweit nur mehr wenige Manufakturen so machen.

Verkauft wird in der Seilergasse in der Innenstadt und seit 2015 auch in der Neubaugasse 34. Neben klassischen Filz- und Strohhüten gibt es Kappen und Mützen. Die Hüte tragen inzwischen auch Prominente aus Film und Musik.

Seit1903

GeöffnetMo bis Fr 10 bis 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr

ÖffisU1/U3 Stephansplatz

8. Werkstätte Carl Auböck

Bernardgasse 21, 1070 Wien

Karl Heinrich Auböck war Goldschmied, als er 1906 eine Werkstatt für Wiener Bronzen gründete. Seit 1912 arbeitet der Betrieb in den Häusern Bernardgasse 21 und 23. Sein Sohn Carl Auböck II lernte bei Johannes Itten und brachte die Moderne in die Werkstatt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden zwischen 1946 und 1950 mehr als 500 neue Objekte. Typisch sind Briefbeschwerer in Handform, Flaschenöffner, Schlüsselanhänger und Möbel aus Messing, Holz, Horn, Leder und Naturfasern.

Heute führen Carl Auböck IV, seine Tochter Zola und seine Schwester Maria die Werkstätte in vierter Generation. Viele Entwürfe von damals werden in der Bernardgasse weiterhin von Hand gefertigt.

Seit1906, in der Bernardgasse seit 1912

MaterialMessing, Holz, Horn, Leder

9. Taschner Alexander

Kaiserstraße 8, 1070 Wien

Die Taschnerei gibt es seit 1931, damals noch an einem anderen Standort. 2017 hat Alexander Rippka den Betrieb als Quereinsteiger übernommen. Das Handwerk lernte er bei seinem Vorgänger Albert Pattermann, dessen Entwürfe und Schnittmuster er bis heute verwendet.

In der Werkstatt hinter dem Geschäft entstehen Handtaschen, Umhängetaschen und kleinere Lederwaren. Ungefähr die Hälfte der Arbeit ist Nähen. Der Betrieb zählt zu den wenigen, die Ledertaschen in diesem Umfang vollständig in Österreich fertigen.

Wer eine alte Lieblingstasche hat, kann sie hier auch reparieren lassen. Geöffnet ist nur an vier Tagen in der Woche.

Seit1931

GeöffnetMi bis Fr 9 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 17 Uhr

ÖffisU3/U6 Westbahnhof

Gut zu wissen

  • Viele Handwerksbetriebe in Wien sind kleine Werkstätten mit eingeschränkten Öffnungszeiten. Vor einem Besuch lohnt sich ein Blick auf die Website oder ein Anruf.
  • Maßarbeit braucht Zeit: Bei Maßschuhen oder einem Frack muss man mit mehreren Anproben und Monaten Wartezeit rechnen.
  • Mit der Wien City Card gibt es in der Schneekugelmanufaktur 20 Prozent Ermäßigung im Shop.
  • Zuschauen ist am einfachsten bei den Führungen in der Porzellanmanufaktur Augarten, die Plätze sind begrenzt.

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Handwerksbetriebe in Wien: häufige Fragen

Welche Handwerksbetriebe in Wien kann man besichtigen?

Die Porzellanmanufaktur Augarten bietet Führungen durch die Werkstätten an, eine Anmeldung ist nötig. Die Schneekugelmanufaktur Perzy hat ein kleines Museum, bei Lobmeyr gibt es im Stammhaus ein Glasmuseum. Scheer bietet auf Anfrage Führungen durch das Atelier an.

Welche Handwerksbetriebe in Wien reparieren Schuhe und Taschen?

Rudolf Scheer & Söhne in der Bräunerstraße pflegt und repariert Schuhe und Lederwaren. Taschner Alexander in der Kaiserstraße repariert Ledertaschen in der eigenen Werkstatt.

Welcher dieser Handwerksbetriebe in Wien ist am ältesten?

Die Porzellanmanufaktur Augarten geht auf das Jahr 1718 zurück. Die älteste Familienfirma in dieser Liste ist Rudolf Scheer & Söhne, gegründet 1816 und heute in siebter Generation.

Wie lange dauert ein Maßschuh bei Scheer?

Für ein Paar rechnet Scheer mit rund 60 Arbeitsstunden. Von der ersten Anprobe bis zur Abholung vergehen etwa sechs Monate.

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Martin

Martin ist Herausgeber und Chefredakteur von WIENINSIDE und einer, der mit Wien nie fertig wird. Macht irgendwo ein neuer Hotspot auf, will er ihn sehen. Unterwegs bleibt er vor Fassaden stehen, an denen andere vorbeigehen, denn Architektur ist seine große Leidenschaft. Und am Ende des Tages zählt für ihn eines: gut essen. Bei WIENINSIDE schreibt er über Essen, Architektur, Sport, Freizeit und alles, was die Stadt gerade bewegt.

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